Jahreshauptversammlung des StV Bonn 26.3.2019

Eingeladen zur JHV war Herr Prof. Dr. Butterwegge zum Thema des Abends
"Kinderarmut und was dagegen getan werden muss"
In einem ausfühlichen Vortrag stellte er die Fakten und seine Positionen dar.
Hier der Link zum Bericht des Bonner Generalanzeigers vom 28.3.2019:

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Experte-warnt-vor-wachsender-Kinderarmut-in-Bonn-article4075997.html

Beschlüsse der JHV

Schulstandort Alfter nötiger denn je

Beschluss der JHV der GEW Bonn vom 26.03.2019:

GEW: Schulstandort Alfter nötiger denn je

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Bonn begrüßt die Initiativen aus Bornheim und Alfter, den Schulstandort in Alfter-Oedekoven, an dem die neue Gesamtschul-Dependance entstehen sollte, zu erhalten und fordert die Stadt Bonn auf, diese zu unterstützen. Der Bornheimer Vorschlag, in Alfter eine zweizügige Gesamtschul-Dependance einzurichten, kann Kindern aus der Gemeinde Alfter den Weg nach Bornheim ersparen. Kürzer ist der Weg jedenfalls aus Witterschlick und Oedekoven nach Bonn, deshalb sind auch im Bonner Stadtbezirk Hardtberg die Anmeldungen aus Alfter erfahrungsgemäß deutlich mehr als in Bornheim. Andererseits ist Oedekoven aus Lessenicher, Duisdorfer und Medinghovener Sicht unmittelbarer Nachbarort und weitaus besser zu erreichen als ein Großteil der Schulstandorte im Bonner Stadtgebiet. Schon 2019 kann Bonn die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen nicht befriedigen, ein Angebot dieser Schulform im Sozialraum zwischen Lengsdorf und Alfter ist seit Jahren überfällig. Die in den letzten Jahren entstandenen neuen Wohngebiete und Projekte in Bonn, Alfter und Bornheim, die demographische Entwicklung gerade in der Rheinschiene, aber auch allgemein mit zunehmenden Geburtenzahlen in NRW, die seit 2014 erkennbar sind und 2017 einen Höhepunkt erreichten, lassen einen deutlich wachsenden Bedarf an Schulräumen in den nächsten 15 Jahren erwarten. Die Schulentwicklungsplanung für die Bonner Grundschulen berücksichtigt bereits die in nächster Zeit absehbare Entwicklung für eher kleinräumige Einzugsbezirke. Für die weiterführenden Schulen ist aber in größeren Dimensionen und gemeindeübergreifend zu denken, und größere Baumaßnahmen erfordern eine längere Planungszeit, wie uns in Bonn aktuell im Schulzentrum Tannenbusch vor Augen geführt wird. Der Schulstandort Oedekoven bietet Bonn die Chance, ein bereits vorhandenes Gebäude mitzunutzen und für die Zukunft mitzuentwickeln.

Begründung:

Gründe für das fehlende Drittel der Anmeldungen sieht die Gewerkschaft nicht in fehlendem Bedarf aus dem sinnvoll möglichen Einzugsbereich des Standorts, sondern in der faktischen Beschränkung auf die Gemeinde Alfter. Dass Rheinbacher Kinder in Alfter angemeldet werden statt in Rheinbach, hat ja wohl niemand ernsthaft erwartet, dagegen wären aus Buschhoven, Bonn-Lessenich oder dem Stadtbezirk Hardtberg mit hoher Wahrscheinlichkeit Anmeldungen gekommen. Die Rheinbacher Bedingung, dass Oedekoven niemals Standort einer eigenen Oberstufe werden dürfe, hat sicherlich zusätzlich abschreckend gewirkt.

Der vorige Versuch der Gesamtschulgründung in Alfter ist auch nicht an fehlender Nachfrage gescheitert, sondern daran, dass Bornheim und Bonn die Möglichkeiten einer Dependance damals nicht gründlicher geprüft haben, auch weil sie vor sieben Jahren fürchteten, die Kinder aus Alfter für ihre eigenen Schulen zu verlieren. Stattdessen beklagte sich Bornheim 2018, zu viele Kinder aus Alfter aufnehmen zu müssen, und in Bonn konnten die Gymnasien in Röttgen und Hardtberg längst nicht alle Kinder ihres Einzugsbereichs im Rahmen der planmäßigen Klassen unterbringen; deshalb bekam Röttgen eine zusätzliche Klasse, unverständlicherweise nicht auch das Hardtberg-Gymnasium, stattdessen wurden Kinder der fünften Klasse zu Berufspendlern nach Godesberg gemacht. 2017 wurden 109 Alfterer Kinder in Bonner fünfte Klassen eingeschult, in Bornheim nur 76. Dies betrifft hauptsächlich den kleinsten Bonner Stadtbezirk, für den der Standort der früheren Hauptschule in Oedekoven sehr günstig liegt. 2019 haben die Bonner Gesamtschulen deutliche Anmeldeüberhänge. An der von Bornheim aus vorgeschlagenen Zusammenarbeit der Vorgebirgsgemeinden sollte sich daher auch Bonn beteiligen. 2012 scheute Bonn auch die Mitverantwortung für Gebäude in der Nachbargemeinde, wobei die demographische Prognose trotz des Geburtenüberhangs, den es schon in der Region gab, als Risiko gesehen wurde, da allgemein von einem Geburtenrückgang ausgegangen wurde. Als sich diese Prognos als falsch erwies, war Alfter in der gemeinsamen Schulträgerschaft mit Rheinbach gefangen, die sich jetzt auflöst. Weitaus erfolgreicher dürfte die sich abzeichnende Zusammenarbeit zwischen Swisttal und Rheinbach sein, weil sie nicht nur von den vorhandenen Schulstandorten in Heimerzheim und Rheinbach ausgeht, sondern auch zur Nachbarschaft zwischen z.B. Odendorf und Rheinbach passt.

Aus Bonner Sicht ist besonders die Entwicklung in Witterschlick interessant, da es für drei weiterführende Bonner Schulen unmittelbares Einzugsgebiet ist. Die dort geplanten Neubauten sind sehr gefragt. Die 387 im Buschkauler Feld geplanten Wohneinheiten, für die es bereits Ende Januar über 400 Nachfragende gab, liegen sogar besonders günstig in Hinblick auf den Oedekovener Schulstandort. Der Wohnungsneubau ist doch eine Leistung, die Alfter für die Region erbringt! Und die größten Bonner Neubauprojekte liegen mitten im betroffenen Stadtteil (Gallwitz-Kaserne) oder in dessen Nähe (west.side). Schulentwicklung sollte entsprechend der Entwicklung von Wohngebieten geplant werden und nicht hektisch auf vermeintliche Nachfrageschwankungen reagieren, besonders wenn sich diese bei genauerer Betrachtung als Nebenprodukt von Planungsfehlern erweisen.

Rolf Haßelkus (Vorsitzender des Stadtverbandes Bonn der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)

P.S.: Bei weiteren Fragen bitte ich Sie, sich mit Herrn Joachim von Maydell (Tel.: 0228/660588 bzw. maydelljo@t-online.de) in Verbindung zu setzen.

Hier der Link zum Bericht des Generalanzeigers vom 4.4.2019:

http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/alfter/Gemeinde-Alfter-k%C3%A4mpft-um-weiterf%C3%BChrende-Schule-article4080367.html

Leitlinien zur Neuausrichtung der Inklusion

Beschluss des Stadtverbandes Bonn der GEW vom 26.03.2019
„Leitlinien zur Neuausrichtung der Inklusion“

Die GEW Bonn fordert die Landesregierung NRW auf, Inklusion als eine Aufgabe des gesamten Bildungssystems zu betrachten. Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, der sich einzelne staatliche Bildungsinstitutionen nicht einfach entziehen können (dies gilt übrigens auch für private und kirchliche Schulen). Gemäß des Runderlasses zur „Neuausrichtung der Inklusion“ vom Oktober 2018 verfügte die Landesregierung, dass eine sonderpädagogische Förderung an Gymnasien in der Regel zielgleich zu erfolgen habe. In den FAQ des Ministeriums von Januar 2019 zur Inklusion heißt es ergänzend: „Zieldifferenzierte Förderung soll für ein Gymnasium eine freiwillige Entscheidung sein“ (vgl. Bildungsportal NRW). Wir fordern die Landesregierung auf, diesen Passus wieder zu streichen, denn die jetzigen Zahlen zeigen, dass sich nur noch wenige Gymnasium freiwillig an der zieldifferenten Förderung beteiligen. Inklusion war im Sinn der UN-Behindertenkonvention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angelegt. Wir halten es für höchst ungerecht und für eine gesamtgesellschaftliche Verantwortungslosigkeit, wenn nun schwerpunktmäßig Haupt-, Sekundar-, Real- und Gesamtschulen die Bewältigung der Inklusion in der Sekundarstufe I zu übernehmen haben. Dies führt zu einer weiteren Überlastung der Lehrer*innen, denn diese Schulformen haben schon jetzt ein hohes Belastungspotential z.B. durch die Integration von „Flüchtlingskindern“ oder der Förderung von Kindern aus sozialbenachteiligten Elternhäusern.

Um den Bedürfnissen der Schüler mit Inklusionsbedarf gerecht zu werden, fordern wir zudem eine Aufstockung der Mittel, denn mit den derzeitigen personellen, räumlichen und sächlichen Ressourcen können weder an den Gymnasien noch an den anderen Schulformen die in der „Neuausrichtung der Inklusion“ genannten Qualitätskriterien umgesetzt werden.

Rolf Haßelkus (Vorsitzender des Stadtverbandes Bonn der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)


Rolf Haßelkus ist Teilnehmer der „WDR Arena mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet“

Ein Jahr nach seiner Regierungserklärung hat sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am 12.9.2018 in der WDR Arena den Fragen von 110 Bürgerinnen und Bürgern gestellt. Unser Bonner GEW-Vorsitzender Rolf Haßelkus war dabei und konnte dem Ministerpräsidenten seine Fragen stellen.

Hier der Link zum Videoausschnitt der Sendung mit Rolfs  Diskussionsbeitrag:

Zum Ende des Dialogs übergab Rolf Haßelkus dem Ministerpräsidenten ein Zwischenzeugnis der GEW Bonn über die bisherige Regierungszeit:

Zwischenzeugnis – Regierungsjahr 2017/18

für Armin Laschet,  Ministerpräsident des Landes NRW

Lernbereiche/Aufgabenfelder:

  • G8/G9: Sie haben die Umstellung von G8 auf G9 erfolgreich eingeleitet und hoffentlich werden Sie auch die nächsten Schritte (Personal, Klassenräume) positiv umsetzen.                                                                                                
  • Gesamtnote: gut
  • Inklusion: Außer der Ankündigung eines Moratoriums und dass Sie kleinere Förderschulen nun doch nicht schließen wollen, gibt es keine substantiellen Verbesserungen. Ihre Ankündigung in Zukunft die Gymnasien von der Aufnahme von Förderkindern zu befreien, führt zu einer ungerechten Belastung der anderen Schulformen.                                                                                   
  • Gesamtnote: ausreichend
  • Chancengleichheit: Die Bildungsgerechtigkeit wollen Sie mit 60 Talentschulen beseitigen. Dies ist ein erster Schritt, aber bei ca. 6000 Schulen mit fast 3 Millionen Schülern ist dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.                      
  • Gesamtnote: ausreichend
  • Gehalt/Besoldung: Es ist kein Konzept zu erkennen, wie endlich eine gerechte Besoldung von Lehrer*innen umgesetzt werden soll. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit würde z.B. auch den Beruf des Grundschullehrers aufwerten, so dass wieder mehr junge Menschen auf Grundschullehramt studieren.                          
  • Gesamtnote: mangelhaft
  • Digitalisierung: Die Wahlversprechen (z.B. „Digitalisierung first“) Ihrer Regierungskoalition scheint nur heiße Luft gewesen zu sein. Immer noch warten die Lehrer*innen auf digitale Dienstgeräte und einer internetbasierte Arbeitsplattform, um ihre Aufgaben datenschutzkonform ausüben zu können. Eine digitale Offensive ist nicht zu erkennen. Der Einsatz von Schüler-Smartphones für den Unterricht ist keine Lösung und führt nur zu weiteren sozialen Ungerechtigkeiten.                       
  • Gesamtnote: mangelhaft
  • Unterrichtsgarantie: Es fehlen zu Beginn dieses Schuljahres 3700 Lehrerstellen. An den Grundschulen wurde fast jede zweite Stelle nicht besetzt. Von einer zukünftigen 105% Unterrichtsgarantie sind wir noch meilenweit entfernt. Auch dieses Wahlversprechen wurde nicht eingelöst.                                             
  • Gesamtnote: mangelhaft

 

Lern- und Förderempfehlungen:

Es besteht noch viel Förderbedarf, um das Unterrichtsziel bzw. Wahlversprechen der weltbesten Bildung zu erreichen. Wir bieten Ihnen zur Nachhilfe unsere Hilfen (z.B. „Was Schulen brauchen, um Inklusion umzusetzen“, „Ungleiches ungleich behandeln – Verteilung der Gelder nach dem Sozialindex, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen“, „Unterstützung durch sozialpädagogische Kräfte in der Schuleingangsphase“, „Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz Schule“, „Mehr Wertschätzung – JA 13! EG 13 für alle Lehrer*innen“) an.

Zudem könnte ein Gespräch mit Ihrem Finanzminister sinnvoll sein, um ihn zu überzeugen, dass Investitionen in den Bildungsbereich auch unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten lohnenswert sind. Bildung ist der Rohstoff unserer Volkswirtschaft. Jeder in die Bildung investierte Euro verzinst sich als Bildungsrendite um ein Vielfaches. Unser Sozialsystem wird entlastet, da gut ausgebildete Menschen weniger arbeitslos sind und sie über ihre Steuern und Sozialabgaben zur Verringerung der Schuldenlast des Landes NRW beitragen. Unsere Wirtschaft braucht dringend gut ausgebildete Fachkräfte.

Sie müssen das Arbeitstempo und Ihre Anstrengungsbereitschaft auf dem Gebiet der Bildung deutlich erhöhen, um Ihr Ziel der weltbesten Bildung zu erreichen.

 

Vorstandsbeschluss vom 11.09.2018                                                              Bonn, den 13.09.18

Rolf Haßelkus

(i.A. für den Vorstand der GEW Bonn)