Rolf Haßelkus ist Teilnehmer der „WDR Arena mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet“

Ein Jahr nach seiner Regierungserklärung hat sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am 12.9.2018 in der WDR Arena den Fragen von 110 Bürgerinnen und Bürgern gestellt. Unser Bonner GEW-Vorsitzender Rolf Haßelkus war dabei und konnte dem Ministerpräsidenten seine Fragen stellen.

Hier der Link zur Sendung (Rolfs  Beitrag ab Minute 17.30):

https://www1.wdr.de/fernsehen/wdr-arena/laschet-bilanz-arena-100.html

Zum Ende des Dialogs übergab Rolf Haßelkus dem Ministerpräsidenten ein Zwischenzeugnis der GEW Bonn über die bisherige Regierungszeit:

Zwischenzeugnis – Regierungsjahr 2017/18

für Armin Laschet,  Ministerpräsident des Landes NRW

Lernbereiche/Aufgabenfelder:

  • G8/G9: Sie haben die Umstellung von G8 auf G9 erfolgreich eingeleitet und hoffentlich werden Sie auch die nächsten Schritte (Personal, Klassenräume) positiv umsetzen.                                                                                                
  • Gesamtnote: gut
  • Inklusion: Außer der Ankündigung eines Moratoriums und dass Sie kleinere Förderschulen nun doch nicht schließen wollen, gibt es keine substantiellen Verbesserungen. Ihre Ankündigung in Zukunft die Gymnasien von der Aufnahme von Förderkindern zu befreien, führt zu einer ungerechten Belastung der anderen Schulformen.                                                                                   
  • Gesamtnote: ausreichend
  • Chancengleichheit: Die Bildungsgerechtigkeit wollen Sie mit 60 Talentschulen beseitigen. Dies ist ein erster Schritt, aber bei ca. 6000 Schulen mit fast 3 Millionen Schülern ist dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.                      
  • Gesamtnote: ausreichend
  • Gehalt/Besoldung: Es ist kein Konzept zu erkennen, wie endlich eine gerechte Besoldung von Lehrer*innen umgesetzt werden soll. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit würde z.B. auch den Beruf des Grundschullehrers aufwerten, so dass wieder mehr junge Menschen auf Grundschullehramt studieren.                          
  • Gesamtnote: mangelhaft
  • Digitalisierung: Die Wahlversprechen (z.B. „Digitalisierung first“) Ihrer Regierungskoalition scheint nur heiße Luft gewesen zu sein. Immer noch warten die Lehrer*innen auf digitale Dienstgeräte und einer internetbasierte Arbeitsplattform, um ihre Aufgaben datenschutzkonform ausüben zu können. Eine digitale Offensive ist nicht zu erkennen. Der Einsatz von Schüler-Smartphones für den Unterricht ist keine Lösung und führt nur zu weiteren sozialen Ungerechtigkeiten.                       
  • Gesamtnote: mangelhaft
  • Unterrichtsgarantie: Es fehlen zu Beginn dieses Schuljahres 3700 Lehrerstellen. An den Grundschulen wurde fast jede zweite Stelle nicht besetzt. Von einer zukünftigen 105% Unterrichtsgarantie sind wir noch meilenweit entfernt. Auch dieses Wahlversprechen wurde nicht eingelöst.                                             
  • Gesamtnote: mangelhaft

 

Lern- und Förderempfehlungen:

Es besteht noch viel Förderbedarf, um das Unterrichtsziel bzw. Wahlversprechen der weltbesten Bildung zu erreichen. Wir bieten Ihnen zur Nachhilfe unsere Hilfen (z.B. „Was Schulen brauchen, um Inklusion umzusetzen“, „Ungleiches ungleich behandeln – Verteilung der Gelder nach dem Sozialindex, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen“, „Unterstützung durch sozialpädagogische Kräfte in der Schuleingangsphase“, „Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz Schule“, „Mehr Wertschätzung – JA 13! EG 13 für alle Lehrer*innen“) an.

Zudem könnte ein Gespräch mit Ihrem Finanzminister sinnvoll sein, um ihn zu überzeugen, dass Investitionen in den Bildungsbereich auch unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten lohnenswert sind. Bildung ist der Rohstoff unserer Volkswirtschaft. Jeder in die Bildung investierte Euro verzinst sich als Bildungsrendite um ein Vielfaches. Unser Sozialsystem wird entlastet, da gut ausgebildete Menschen weniger arbeitslos sind und sie über ihre Steuern und Sozialabgaben zur Verringerung der Schuldenlast des Landes NRW beitragen. Unsere Wirtschaft braucht dringend gut ausgebildete Fachkräfte.

Sie müssen das Arbeitstempo und Ihre Anstrengungsbereitschaft auf dem Gebiet der Bildung deutlich erhöhen, um Ihr Ziel der weltbesten Bildung zu erreichen.

 

Vorstandsbeschluss vom 11.09.2018                                                              Bonn, den 13.09.18

Rolf Haßelkus

(i.A. für den Vorstand der GEW Bonn)