1. Mai 2019 - Demo und Kundgebung in Bonn

Mai-Ansprache von Ulrike Wefers - „Bonner Offener Kreis“ (BOK)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gewerkschaftsmitglieder,

Schwerpunkt der diesjährigen 1. Mai-Demo ist ein solidarisches und gerechtes Europa. Auch meine KollegInnen und ich treten dafür ein.

Mein Name ist Ulrike Wefers, ich bin graduierte Germanistin mit Zusatzstudium Deutsch als Fremdsprache und arbeite seit 25 Jahren als Honorarkraft in der Erwachsenenbildung. Zurzeit bin ich in Integrationskursen an der VHS Bonn tätig und unterstütze Migranten und Migrantinnen bei ihrem Spracherwerb und der Integration in Deutschland.

Ich stehe hier als Mitglied des Bonner Offenen Kreises, einem Zusammenschluss von Lehrkräften für Deutsch als Fremdsprache, die in Zusammenarbeit mit der GEW seit Jahren versuchen, die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung zu verbessern.

Als Bonner Offener Kreis sind wir Teil eines bundesweiten Bündnisses. Dieses Bündnis DaF / DaZ-Lehrkräfte besteht zurzeit aus 35 lokalen Initiativen.

Europa bedeutet für uns, wie für viele andere auch: Frieden, Freizügigkeit und Völkerverständigung. Vor allem letztere kann aber nur gelingen, wenn man in der Lage ist, eine fremde Sprache zu erlernen.

Genau dafür sind wir ausgebildet, denn wir unterrichten Deutsch als Fremdsprache für Zugewanderte. Die Kurse, die wir leiten, sind staatlich verordnete Integrationskurse und berufsbezogene Deutschkurse. Das BAMF, sprich das Innenministerium sowie das Arbeitsministerium sind für diese Kurse verantwortlich.

Aus Politikerkehle tönt es in aller Regel vollmundig, der Erwerb der deutschen Sprache sei der wesentliche Schlüssel zur Integration. Auch stelle man sich gegen prekäre Arbeitsbedingungen, doch das Gegenteil ist der Fall:

Sobald es um die Beschäftigungsverhältnisse der Lehrkräfte geht, entziehen sich die staatlichen Auftraggeber der Integration komplett ihrer sozialen Verantwortung. Diese wird schlicht outgesourct - an externe Träger und eine miserable Finanzierungsdecke. Somit arbeiten fast alle Lehrkräfte in diesen Kursen auf Honorarbasis. 5-wöchige Ketten-Verträge sind unsere prekäre Arbeitsrealität.

Was das bedeutet? Keine Lohnfortzahlung bei Krankheit, keine bezahlten Urlaubstage, - außerdem fühlt sich der Auftrag gebende Staat für die Zahlung seiner Arbeitgeberanteile einfach nicht zuständig, Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung gehen komplett zu unseren Lasten. Arbeitnehmerrechte, die Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen hat, bleiben uns, den Honorarkräften in der Weiterbildung, auch 100 Jahre später noch verwehrt.

Die gezahlten Honorare sind dabei so niedrig, dass Altersarmut vorprogrammiert ist.

Dies alles wohlgemerkt – in staatlichem Auftrag.

Frauen sind zum überwiegenden Teil die Leidtragenden, denn 8o Prozent der Lehrkräfte in Deutschsprachkursen sind Frauen. Von daher betrachten wir diese Arbeitsbedingungen auch als strukturelle Diskriminierung von Frauenerwerbstätigkeit.

Ohne eine entsprechende finanzielle Ausstattung und ohne nachhaltige Beschäftigungsstrukturen bleibt das hehre Ziel von Spracherwerb und Integration nicht mehr als eine leere Worthülse. Die Erwachsenenbildung und mit ihr die Integrationsaufgabe sind bundesweit massiv unterfinanziert.

Dies ist ein riesiger Skandal und deshalb sind wir hier!!

Das Fundament einer gesamtgesellschaftlich so unverzichtbaren Aufgabe, wie der der Sprach- und Wertevermittlung im Rahmen der Integration braucht Lehrkräfte, die ihrer Qualifikation angemessen und sozialversicherungspflichtig entlohnt sind und kein Honorar-Prekariat!

Wir fordern: faire und angemessene Arbeitsbedingungen, denn:

Wir sind keine Lehrerinnen und Lehrer zweiter oder gar dritter Klasse! Und deshalb lassen wir mit unseren Forderungen nicht locker!

Aber nicht nur wir, auch Sie, liebe Anwesende, können etwas tun: Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Volkshochschulen haben wir eine Petition gestartet. Das Motto: Gebt der Erwachsenen- und Weiterbildung eine Chance - durch faire Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte in der Weiterbildung.

Wenn Sie uns unterstützen möchten, freuen wir uns, wenn Sie unsere Petition unterzeichnen und diese weiterverbreiten. Sie finden sie bei Horst Lüdke am Bildungs-Stand der GEW.

Im Namen des Bündnisses DaF / DaZ- Lehrkräfte und des Bonner Offenen Kreises bedanke ich mich sehr herzlich für Ihre Aufmerksamkeit!

Flyer VHS-Petition


Ergebnisse der Tarifverhandlungen 2019

Aktuelles
Zum Vergrößern Bilder bitte anklicken!

Tarifrunde TV-L 2019: Fragen und Antworten

Weitere und ausführliche Informationen gibt es hier:

https://www.gew.de/troed2019/fragen-und-antworten/#top


Familienzuschlag für Beamtinnen und Beamte mit mehr als zwei Kindern

Nach dem BVerfG haben Besoldungsempfänger für das dritte und jedes weitere
unterhaltsberechtigte Kind Anspruch auf familienbezogene Gehaltsbestandteile in Höhe von 115 %
des durchschnittlichen sozialhilferechtlichen Gesamtbedarfs eines Kindes.
Damit sich Beamt*innen und Versorgungsempfänger*innen mit einem Familienzuschlag für mehr
als zwei Kindern etwaige Ansprüche auf höhere Besoldungsbestandteile sichern können, ist in
jedem Jahr ein Antrag/Widerspruch erforderlich.

weitere Informationen und Antragsformular

Dienstanweisung für die automatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten (ADV)

Im Amtsblatt Februar 2018 ist die geänderte Dienstanweisung für die automatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten in der Schule (BASS 10 – 41 Nr. 4) veröffentlicht.

Hier finden Sie aktuelle Informationen und Stellungnahmen des Mitarbeiter-Informationsdienstes der GEW.